Dass die Betreiber eines Tor Exit Nodes in Deutschland nicht mehr vor
schikanösen Zugriffen durch die Behörden sicher sind, dürften die meisten
wohl seit spätestens September vergangenen Jahres zähneknirschend zur Kenntnis genommen haben.
In einer Welle von Beschlagnahmungen und Durchsuchungen wurden damals deutschlandweit laut einer
Aufzählung
in Kai Ravens Blog mindestens vier Tor-, und ein JAP-Server in kurzer Zeit einkassiert.
Weiter ging es dann im Dezember, als ein weiterer Tor-Admin seines Servers entledigt wurde, weil das BKA seine
IP-Adresse in einem "Beobachtungs-Log" ausfindig gemacht hatte. Als Begründung für die Kündigung des Server-Mietvertrages
genügte laut diesem weiteren Blogeintrag nur ein Wort: "Pornographie" - dem Totschlagargument also, das immer gegen Tor ins Feld geführt wird.
Eben dieser Betreiber um den es hier ging, hat sich nun wieder mit Negativnachrichten über D-lands Behörden an die Öffentlichkeit gewandt. In einer Mail "Next news from Germany" an die englische Tor-Mailingliste, beschreibt er seine weiteren Erfahrungen:
Nach einem anonymen Hinweis, dass seine Telekommunikationsdaten überwacht würden, erbat er Auskunft bei
den entsprechenden Behörden. Ohne Erfolg allerdings - die Auskunft wurde verweigert, und er beschreibt in seiner Mail, warum:
Over the last months, I tried to figure out, what happens. I contact the data protection official of Germany for help. Like me, he did not get any information because the prosecution denied any information with the reason:
"Any information will compromise the security of Germany or one of its parts."
( §19 Absatz 6 Bundesdatenschutzgesetz )
I compromise the security of Germany, seems I am a terrorist or something like that. The anti-terrorism-law in Germany is not a joke, nothink I want to feel by myself. I contact a lawyer and he said, this is not a game, it is real!
Laut Aussage des betreffenden Admins, handelt es sich bei den Vorwürfen ihm gegenüber um die Publikation von Anleitungen zur Anonymisierung auf www.anon-web.de, um den Betrieb des Tor Nodes "Knuffel" und des Mixmaster Remailers "awxcnx".
Verständlicherweise zieht er nun die Konsequenzen, und kündigte an:
Conclusion: The TOR node "knuffel" is down and will not come back. Please remove it from the directory. All my contact addresses and online identities related to this kind of stuff will be closed next time.
I have a german website with some stuff about anonymity. It will go down in 2-3 weeks. May be, some german gay want to download and save some of my work. I will prepare an offline version of the website:
http://www.anon-web.de
Auf der Tor-Mailingliste wurde inzwischen angeKündigt, dass die Webseite bald gespiegelt werden wird. Das wird Karsten N. persönlich leider nicht viel bringen. Ihm bleibt wohl nichts weiter übrig, als sich einen guten Anwalt zu nehmen. Auf einer Mailingliste des CCC gab es immerhin bereits den Vorschlag, eine Spendenaktion für die bald anfallenden Anwaltskosten ins Leben zu rufen.