Sun, 17 Jul 2011

Byebye Google+? [7. UPDATE]

Google+ suspended

Nicht einmal eine Woche nach meiner erfolgten Anmeldung bei Google+ bin ich auch schon wieder weg. Ganz freiwillig passierte das allerdings nicht. Nachdem ich mich bisher voller Überzeugung von Facebook fern gehalten habe, machten mich die begeisterten Berichte über Google+ doch neugierig — insbesondere wegen der nutzerfreundlichen Möglichkeit darüber zu entscheiden, wer genau was von mir lesen darf.

Doch nach ein paar Tagen Pflege verschiedener Circles war's auf einmal aus mit dem schönen Networking: Mein Account wurde gesperrt. Offenbar ist irgendwer darauf aufmerksam geworden, dass mein Nutzername »cypher punk« eher nicht auch in meinem Personalausweis steht.

Nach Angabe einer Handynummer bei Google konnte ich mich wenigstens wieder einloggen — benutzen durfte ich Google+ aber nicht: Es folgte die Aufforderung, mein Profil gemäß der Community-Richtlinien zu überarbeiten. Meinen Realnamen anzugeben kam für mich weiterhin nicht in Frage — stattdessen fügte ich meinem Profil Hinweise auf dieses Blog (cpunk.de) und auf meinen Account bei identi.ca (cpunk) hinzu. Schließlich durfte beispielsweise Die Ennomane seinen Account auch unter Pseudonym behalten... Meinen Accountnamen änderte ich entsprechend in »c punk« um.

Google ließ sich nicht darauf ein: Nach der ersten Überprüfung meines Accounts wurde dieser nun auf »suspended« gesetzt:

»After reviewing your profile, we determined that some of the posted content (e.g. text, images) violates our Community Standards.« [Screenshot]

Nun ist es also nicht mehr der Nutzername, sondern meine gemachten Äußerungen bei Google+? Welche Inhalte das auf einmal gewesen sein sollen kann ich leider nicht nachvollziehen, schließlich ist der Account gesperrt, meine Postings sind für mich nicht mehr einsehbar. Welcher meiner Beiträge Google gestört haben könnte, ist mir völlig schleierhaft: Der Hinweis auf neue Versionen der Tor Browser Bundles etwa? Oder ein Hinweis auf Orbot?

Derzeit befindet sich mein Profil zum zweiten Mal in der Überprüfungsschleife. Mein Pseudonym habe ich derweil in »Peter Müller« geändert. Man wird sehen, ob ein zumindest real klingender Name für Google ausreicht, um von den »Türstehern« durchgewunken zu werden. Falls sie sich tatsächlich an meinen Inhalten stören, kann ich das nun nicht mehr ändern — dank Sperre kann ich diese ja nicht einmal mehr einsehen.

Warum Google auf einen real klingenden Namen besteht, bleibt erstmal ein Firmengeheimnis. Auf das Profil und den darunter generierten Inhalten zugeschnittene Werbung kann Google auch ohne Realnamen einblenden. Sie lernen die Nutzerinteressen kennen, mit wem ich wann worüber kommuniziere: Wozu brauchen sie also meinen Personalausweis-Namen? Leute die mich kennen, werden mich auch unter dem allen bekannten Pseudonym finden. Nur Google anscheinend nicht.

1. UPDATE 18.7.2011
Auch mit dem Namen »Peter Müller« lässt mich Google nicht teilnehmen. Mein Account ist nach der zweiten Prüfung weiterhin »suspended«. Wie zuvor heißt es: »some of the posted content (eg. text, images) violates our Community Standards.«

Darüber, welche Inhalte das sein könnten, schweigt Google sich aus. Ich habe nicht gespamt, und auch keine illegalen Inhalte gepostet. Es bleibt ein Rätsel, wie Google zu diesem Ergebnis kommt.

2. UPDATE 18.7.2011
Da mein Profil nun seit über drei Tagen nicht mehr erreichbar ist, habe ich es nun erst einmal löschen lassen (soweit bei Google überhaupt etwas gelöscht werden kann). Bis auf weiteres bin ich nun als neuer Nutzer mit Namen »/me cpunk« auffindbar. Don't be evil.

3. UPDATE 20.7.2011
Nach Löschung des Profils kann kein neues mehr erstellt werden: »Your profile is suspended« erscheint. Zum Freischalten wird man auf ein Kontaktformular umgeleitet. Dort muss man den Namen angeben, kann eine Kopie des Personalausweises hochladen, und/oder vertrauenswürdige Webseiten angeben, auf denen man mit diesem Namen agiert. Als Beispiel für eine solche Seite gilt laut Google erstaunlicherweise ausgerechnet Facebook... Genannt werden aber auch Homepages von Universitäten, oder Zeitungsartikel.

Auf ein Neues also. Name: cpunk; Webseiten: www.cpunk.de und identi.ca/cpunk. Der Personalausweis kommt nicht in Frage.

4. UPDATE 21.7.2011
Heute ist auch mein Ersatzprofil »/me cpunk« von Google gesperrt worden. Der Name verstoße gegen die Community-Richtlinien. Der Titel dieses Beitrags könnte nun also guten Gewissens in »Byebye Google+!« umbenannt werden. Für diesen Account will Google schon bei der ersten Sperre einen Identitätsnachweis in Form eines Personalausweises, oder »vertrauenswürdiger« Referenz-Webseiten:

»Geben Sie einen Link zu einer seriösen Website an, auf der unter diesem Namen auf Sie Bezug genommen wird. Beispielsweise: Facebook, LinkedIn, ein Studentenverzeichnis einer Schule bzw. Universität oder ein Zeitungsartikel.«

Google, don't be evil.

5. UPDATE 28.7.2011
Googleplus macht sich keine Mühe mehr mit den Profilen. Nach ausfüllen des Kontakt-Formulars bleibt die Anzeige auf »suspended«.

6. UPDATE 30.7.2011
Ein Bug bei Google+?
Da es nun schon ein paar Stunden gut gegangen ist, wage ich mal ein vorsichtiges: Ich bin wieder da.

Nach einigem hin und her konnte ich also heute meinen ursprünglichen Account »c punk« wieder in Betrieb nehmen: Sei es nun, dass Google auch bei mir eine Ausnahme gemacht hat, oder weil die Sperrliste nach Löschung des Profils immer wieder mal genullt wird...

Es hat schon etwas ironisches, dass ich wieder freigeschaltet worden bin, nachdem ich mich nun gerade an die Alternative Diaspora gewöhnt habe. Immerhin hat mich Google für über zehn Tage nicht mehr gemocht.

Schauen wir also, wie lange mich die Realname-Türsteher lassen - derweil lerne ich mit Genuss weiter Diaspora kennen: Dort gibt es wenigstens eine eindeutige Ansage in den FAQs:

»Can we use pseudonyms on Diaspora?«
»Sure.«
diaspora.shapado.com/questions

So lange man bei Google+ damit rechnen muss, jederzeit ohne Vorwarnung wieder gegangen zu werden, verlasse ich mich also eher auf die Alternativen und spiele bei Google nur weiter herum.

Nur der Vollständigkeit halber: mein Ersatzaccount »/me cpunk« ist weiterhin gesperrt.

7. UPDATE 24.08.2011
Nun gibt es schon wieder ein Ich bin wieder weg zu verkünden. Google fordert mich in Denglisch quasi auf zu gehen:

Es gibt ein Problem mit Ihrem Google-Profil

It appears that the name you entered does not comply with the Google+ Names Policy.

The Names Policy requires that you use the name that you are commonly referred to in real life in your profile. Nicknames, previous names, and so on, should be entered in the Other Names section of the profile. Profiles are currently limited to individuals; we will be launching profiles for businesses and other entities later this year.

If you do not edit your name to comply with the Names Policy by 27. August 2011, your profile will be suspended: you will not be able to make full use of Google services that require an active profile, such as Google+, Buzz, Reader, and Picasa. This will not prevent you from using other Google services, like Gmail.

We understand that Google+ and its Names Policy may not be for everyone at this time. We'd be sad to see you go, but if you do choose to leave, make a copy of your Google+ data first. Then, click here to disable Google+.

Sagt mir Google heute. Vermutlich war das der letzte noch fehlende Schritt für mich, nun vollständig zu Diaspora* zu wechseln.


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